Er ist einer der erfolgreichsten Popmusiker aller Zeiten – als Solokünstler, aber auch als Schlagzeuger und Sänger der Band Genesis: Phil Collins.

Bereits vor Jahren hat der britische Wahlschweizer seine musikalische Karriere für beendet erklärt. Im Interview mit Reader’s Digest erzählt der 59-Jährige, warum er nun mit Going Back doch noch ein weiteres Album mit Interpretationen von Songs veröffentlicht hat, die alle ursprünglich beim berühmten Soul-Musik-Label Motown erschienen sind. Und warum er trotz Trennung von seiner Frau Orianne und einer festen Freundin in New York lieber am Genfer See wohnt.

Reader’s Digest: Phil, Sie sind an der Halswirbelsäule operiert worden. Wie geht es Ihnen?
Phil Collins: Ich bin okay – wenigstens geistig. (schmunzelt) Ich habe ein paar körperliche Probleme, die ich überwinden will, speziell mit meinen Armen. Im Moment kann ich kein Schlagzeug oder Piano spielen und bin auch nicht davon überzeugt, dass ich es je wieder können werde. Ich habe schon alle Operationen hinter mir, die möglich waren. Nun heißt es abwarten ... aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht!

RD: Wie kam es, dass Sie trotz allem drei Konzerte in den USA und eines beim Montreux Jazz Festival gaben?
Collins: Eigentlich war ich schon zurückgetreten. Als ich meine ironisch als „First Final Farewell Tour“ (Erste endgültige Abschiedstournee) be-titelte Solotournee angekündigt hatte, dachte ich ehrlich, dass es die endgültig letzte sein würde. Danach haben wir die Genesis-Comeback-Tour nur noch gemacht, weil wir uns nicht von unserem Publikum verabschiedet hatten. Die Gruppe war nie offiziell aufgelöst worden, sondern hatte einfach nur ihre Aktivitäten eingestellt. Und nun ist diese Motown-Platte gekommen, die ich schon immer machen wollte. Es ist beinahe, als wäre sie nicht Teil der Phil-Collins-Karriere ...

RD: Wie meinen Sie das?
Collins: Die Phil-Collins-Karriere ist vorbei. Bei Going Back handelt es sich um einen Spezialfall, einige meiner Lieblingslieder, mit denen ich in den 60er-Jahren aufgewachsen bin. Ich musste diese CD einfach machen. Mit ihr hat sich der Kreis geschlossen.

RD: Glauben Sie wirklich, dass Sie nun keine Platten mehr machen werden?
Collins: Nein, aber ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich nicht mehr gezwungen werden möchte, etwas zu tun. Ich will meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich werde immer Songs schreiben und in meinem Heimstudio Demos aufnehmen. Das ist für mich wie ein Bild zu malen. Ich mache das sehr gerne, aber ich werde mit diesen Songs sicher nicht zu meiner Plattenfirma rennen, weil das unheimlich viel Arbeit nach sich zieht.

RD: Wozu wollen Sie mehr Zeit haben?
Collins: Um meine Söhne großzuziehen. Außerdem gibt es andere Dinge, die mich interessieren. Es mag langweilig klingen, doch seit ich als Kind die Disney-Serie über Davy Crockett und später den Western Alamo mit John Wayne gesehen habe, fasziniert mich die Geschichte von Texas. Ich sammle Dokumente, Briefe, Kanonen, Gewehre und Schwerter aus dieser Epoche und bin Ko-Autor eines Buchs zum Thema, das in einem Jahr veröffentlicht wird.

RD: Erwägen Sie, als Frühpensionär zurück nach England zu ziehen?
Collins: Nein, ich möchte in der Nähe von Nick und Matt bleiben, die nur 15 Autominuten von mir bei ihrer Mutter aufwachsen – nicht 15 Flugstunden entfernt wie meine älteren Kinder, die in Vancouver und Los Angeles aufgewachsen sind. Mit denen ist es schwierig, in Kontakt zu bleiben, obwohl ich mich mit all meinen Ex-Partnerinnen gut verstehe. Orianne und ich haben uns sogar noch sehr gern. Ehrlich gesagt: Ich bin nicht einmal sicher, warum wir nicht mehr verheiratet sind. Das müssen Sie Orianne fragen ...

RD: Hat sie wieder geheiratet?
Collins: Ja, und ich habe eine Freundin, die seit 16 oder 17 Jahren beim US-amerikanischen Fernsehsender CBS die Nachrichten moderiert und ihren Job nicht aufgeben möchte. Dana ist deshalb an New York gebunden, ich durch meine Kinder an die Schweiz. Mein Leben ist – milde ausgedrückt – etwas kompliziert.

RD: Sind Sie glücklich?
Collins: Ich wäre zweifellos glücklicher, wenn ich nicht allein leben würde. Nur Lindsay, die Nanny meiner Jungs, wohnt bei mir im Haus. Sie ist für mich wie eine WG-Partnerin und eine tolle Freundin. Aber eigentlich hatte ich gehofft, nun mit meinen Kindern und ihrer Mutter unter einem Dach zu leben. Immerhin ist dies die zweitbeste Variante ...

 

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